Archiv für September 2012

Stellungsnahme

Der Militarismus ist der Würgeengel der Kultur! (Karl Liebknecht)

Freiheit den Friedenstauben! Freiheit für die Kunst!
An das Amtsgericht München,
die Münchner Polizei
und den Kanzler der Münchner Musikhochschule

Im Namen aller Antifaschisten, Demokraten und Friedensfreunde der Stadt Ingolstadt protestieren wir gegen die Entscheidung des Amtsgericht München vom 15.September 2012. (ER VIIIGs 1603/12)

Es mutet grotesk an und ist ein erschreckendes Zeugnis in welchem Zustand die Demokratie in diesem Land sich befindet, wenn Antifaschisten und Kriegsgegner mit Nazis gleichgesetzt werden. Wenn sie – mit der Symbolik des NS-Regimes- die Erinnerung an seine schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wach halten wollen.

Insbesondere wenn es sich dabei um die Verwendung einer Darstellung von John Heartfield handelt. John Heart-field war einer der aktivsten Künstler der Weimarer Republik der seine Gabe dazu nutze um vor dem drohenden Krieg und dem aufziehenden Faschismus zu warnen. Deswegen wurde er von den Nazis und ihrer Terrorjustiz im „Dritten Reich“ verfolgt und seine Werke wurden für „entartet“ erklärt.

John Heartfield schrieb 1937 in einem Brief an die deutschen Künstler: „Die Nazis haben die Wahrheit, das freie Denken, die Entwicklung und das Leben vieler Deutscher kastriert, und nun sind als nächstes Opfer, die Maler und Bildhauer dazu ausersehen.“

Soll es ihm und seinen Werken heute wieder ähnlich ergehen? Soll es all jenen heute wieder ähnlich ergehen, die nicht akzeptieren wollen, dass Deutschland am Hindukusch „verteidigt“ wird? Denen, die die Erinnerung an den letzten großen Krieg, den Deutschland verursacht hatte, wachhalten wollen um vor aktuellen Gefahren für den Frieden zu warnen?
Soll heute wieder die vom Grundgesetz geschützte Freiheit der Kunst mit Füßen getreten werden wenn die Kunst ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entsprechend vor Gefahren für das Leben und die Freiheit der Menschen warnt?

Wir fragen sie: Vor was müssen sie das Volk heute schützen, wenn sie die Verwendung einer Fotomontage, die der Künstler damals anfertigte um die Völker der Welt vor den Nazis zu warnen, gerichtlich unter Verbot stellen? Vor was haben sie Angst, wenn sie eine internationale Antikriegsaktion, die am Jahrestag des Münchner Abkommens im ehemaligen „Führerbau“ stattfindet, mit derartigen polizeilichen wie juristischen Mitteln behindern?
Wir fordern sie zur sofortigen Rücknahme ihrer gerichtlichen Beschlüsse auf!
Nehmen sie die Entscheidung des Bundesgerichtshofes zur Kenntnis! (BGH-Urteil vom 15.03.2007- 3 StR 486/06 LG Stuttgart)

Unterlassen sie alle Versuche die Durchführung und Mobilisierung für die internationale Antikriegsaktion, zum Jahrestag des Münchner Abkommens zu behindern!

Wir fordern sie auf, der rechtlichen Vertretung des
„Aktionsbüro Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“, sofort alle gerichtlichen Entscheidungen zugänglich zu machen.
Das gilt auch für jede ihrer Entscheidungen falls sie sich nur gegen einzelne Personen der Aktionseinheit richten. Stellen sie unverzüglich rechtstaatliche Verhältnisse wieder her!

Wir fordern die Münchner Polizei auf, sofort alle
Versuche die Flugschrift „Es ist noch nicht zu spät!- Erklärung der zur internationalen Antikriegsaktion“ „Klassenkampf statt Weltkrieg“ zu beschlagnahmen zu unterlassen!

Wir fordern sie zur sofortigen Herausgabe aller beschlagnahmten Publikationen auf!
Wir fordern den Kanzler der Münchner Hochschule für Musik und Theater auf, an der vertraglichen Übereinkunft mit dem
„Aktionsbüro Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“ festzuhalten!

LA RESISTANCE- antifaschistische Jugendgruppe – Ingolstadt, den 18.September 2012

Zum 1.September

Am 1. September war Antikriegstag.

Der 2. Weltkrieg begann 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen – dieser Tag markierte den Beginn einer Epoche in der Weltgeschichte, die sich durch nie zuvor gekannte Barbarei auszeichnete.

Deutschland, das damals in Anlehnung an die Kaiserzeit den Namen „Drittes Reich“ trug, tat sich in diesen dunklen Jahren besonders hervor.
Aufgehetzt von einem Führer und seinem Gefolge zum „Totalen Krieg“ nach außen und zur grenzenlosen Aggression gegen jede Existenz und jeden Gedanken, der nicht in die faschistische „Volksgemeinschaft“passte, nach innen, verpassten sich die Deutschen ein Image, das sie bis heute noch haben.

Wenn heute in vielen Ländern weltweit Menschen nach der Eintragung in ihrem Pass gefragt werden und dort zufällig Deutsch z.b. German steht, schallt ihnen oft ein „Heil Hitler!“ oder Schlimmeres entgegen.
Dies ist für die meisten eine grobe Beleidigung – und das zurecht – die wenigsten wollen mit den Taten und dem Wahnsinn vergangener Zeiten gleichgestellt werden und erst recht nicht mit solchen Worten begrüßt werden.

Wir selbst waren nicht dabei, waren nicht Täter und nicht Zeugen, die tatenlos zusahen.
Doch woher kommt dieses Image?

Hitler hat den Krieg nicht allein geführt, Millionen waren an der Front, ob erzwungen oder freiwillig, fanatischer Hass trieb die Eliteeinheiten und große Teile der Wehrmacht voran.

Die „Hitlerjugend“ und der „Bund deutscher Mädel“ stellte für die Masse unserer Großeltern die Jugend dar. Ob erzwungen oder freiwillig – es war die breite Mehrheit, die entweder das alles logischerweise schön fanden, weil sie den Wahnsinn aufgrund der massiven Gehirnwäsche nicht begriffen, oder sogar den Wahnsinn selbst mit betrieben.

Mord war im dritten Reich an der Tagesordnung – jedes Leben, das als rassisch, politisch, sexuell oder eben im Sinne der sogenannten“Volksgemeinschaft“ als „lebensunwert“ galt, wurde vernichtet. Millionen Menschen in ganz Europa traf dieses Schicksal.
Juden, Sinti und Roma, sogenannte „Asoziale“, Schwule, Obdachlose, körperlich und geistig Behinderte, politische Aktivisten die Widerstand leisteten oder nur leisten hätten können, missliebige Künstler und viele viele Andere, die nicht in die kranke Vorstellung dieser „Volksgemeinschaft“ passten, gerieten ins Visier der Mörder.

Dieser massenhafte Mord konnte nicht ohne massenhafte Beteiligung der Deutschen stattfinden.
Propaganda – Gehirnwäsche und eben die Versuchung, Macht über das Leben und den Körper Anderer zu haben, trieb die Mehrheit der Einwohner, dazu „Fremdkörper“ oder „Volksschädlinge“ zu denunzieren, zu jagen oder eben selbst zu ermorden.

Ein sichtbarer Widerstand, der über eine Nichtbeteiligung und grenzenlose Abneigung gegenüber dem Geschehen hinausging, fand selten statt aber war doch da. Dieser wurde und wird aber im Ausland kaum zur Kenntnis genommen.
Daher das Image.
Der Lohn für den Wahn? Zerbombte Städte, verlorene Leben und das Trauma – das alles mitgemacht, mitgedacht oder kommen gesehen zu haben.
So viel zur Geschichte.
Welche Bedeutung haben die dunklen Jahre von 1939 – 1945 am ersten September 2012 und darüber hinaus für uns?

Sie sollen uns eine Lehre sein!

Nie wieder wollen wir uns belügen und gegeneinander aufhetzen lassen!
Nie wieder soll ein Mensch die Waffe gegen einen anderen erheben!
Nie wieder darf ein Angriffskrieg geführt werden!
Nie wieder werden wir uns einer „Volksgemeinschaft“ unterwerfen.
Nie wieder darf Krieg von deutschem Boden ausgehen.
Nie wieder soll die Armee eines Landes in ein anderes einfallen!
Nie wieder darf eine Regierung sich anmaßen, die Lösung für den Zustand eines anderen Landes zu haben und diese „Lösung“ auch militärisch durchzusetzen.

Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!

Doch die Realität sieht leider wie folgt aus:
Die deutsche Armee, die „Bundeswehr“, ist derzeit in 11 Auslandseinsätzen aktiv
- egal, was genau sie da treiben, diese Soldaten der Bundeswehr haben nichts außerhalb dieser Grenzen verloren.
Die Deutsche Industrie exportiert Waffen in alle Welt und profitiert damit vom menschlichen Leid.

Mit über 9.000 Werbeveranstaltungen im Jahr wirbt die Bundeswehr an Schulen, Ämtern und Universitäten für den Dienst in ihren Reihen.

Inzwischen wird wieder ganz offen darüber gesprochen, dass die deutsche „Freiheit am Hindukusch“ verteidigt werden müsse und darüber hinaus Absatzmärkte und Handelswege für die Deutsche Industrie gesichert werden müssten. Uns erinnert das an ganz dunkle Zeiten und wir sagen dazu ganz klar – Kein Krieg für Kapitalinteressen!

Deutschland ist natürlich kein Einzelfall:
Weltweit fallen die führenden Industrienationen dort ein, wo es was zu holen gibt
(Öl und andere Rohstoffe) oder ihre Macht in Gefahr ist.
Wenn sie ihre eigenen Armeen nicht schicken können (dürfen) liefern sie Waffen oder Berater oder ähnliche Hilfe um wenigstens noch ein kleines Stück vom Profitkuchen abzubekommen.
Die Massenmedien werden noch (Internet!) von jenen Konzernen oder Einzelpersonen kontrolliert, die Geld in Massen haben – weil z.B. ein Fernsehsender, der international zu empfangen ist, eine Stange Geld kostet. Es dürfte leider auf der Hand liegen, dass diese in Versuchung geraten, einen Konflikt bis zum Krieg zu schüren, weil das Auflage oder Einschaltquoten bringt und weil dann auch der Kumpel vom Rüstungskonzern zufrieden ist.
Wir sagen dazu:
Trau nicht dem TV- Never trust your TV
Die Industrienationen diktieren in ihrem jeweiligen Einflussraum was Recht und Gesetz ist und entscheiden nach Gedeih und Verderb darüber, ob eine Regierung weiterbestehen darf.
Schon oft wurden missliebige Regierungschefs von außen gestürzt.
Wir wollen keinen Krieg gegen den Terror, weil sie bestimmen was Terror ist.
Weil wir uns nicht gegeneinander aufhetzen lassen wollen!
Weil wir nicht glauben, dass Menschen in Uniformen Probleme lösen!

Darum waren wir am 1.September 2012 auf der Straße und werden es nächstes Jahr wieder sein.
„La Resistance“ Ingolstadt – Linke Gruppe für Stadt und Region.

Email: la-resistance-info@web.de