Mit Frei.Wild, ohne uns!

Wir begrüßen die Entscheidung von Jägermeister Deutschland, sein Sponsoring für das baldige With-Full-Force-Festival zu kündigen, sollte der Veranstalter des WFF-Festivals weiterhin das Booking der Band Frei.Wild bestätigen. Doch nicht nur der bekannte Spiritousenhersteller geht wegen der völkisch-nationalen südtiroler Band auf die Barrikaden. Das Dortmunder Musikmagazin Visions, Festivalguide.de und das TätowierMagazin haben ebenfalls ihre Verträge gekündigt, bzw. haben dem Veranstalter eine Deadline bis Montag, den 18.2.2013 gestellt, eindeutig Stellung dazu zu beziehen.
Es ist mehr als nur erfreulich, dass immer mehr Menschen sowie Firmen es nicht mehr tolerieren, dass eine solch rechte und nationalistische Band vor tausenden von Leuten spielt. Aussagen wie „Wir dulden keine Kritik an diesem heiligen Land…“, Mitgliedschaften bei den Freiheitlichen Südtirols, Besetzung in der ehemaligen Rechtsrock-Band Kaiserjäger sowie Relativierungen des Holocausts, bekräftigen diese Aussage und Ablehnungen nur noch mehr!

Hier nun die einzelnen Stellungnahmen einiger Sponsoren des WFF-Festivals:

Jägermeister Deutschland:
„Die Mast-Jägermeister SE hat in ihrem Leitbild Werte wie Weltoffenheit, Toleranz und Respekt fest verankert. Zu diesen Werten stehen wir. Diese Werte leben wir. Jägermeister wird heute in rund 90 Ländern weltweit konsumiert und ist damit nicht nur im niedersächsischen Wolfenbüttel, sondern auf der ganzen Welt in vielfältigen Kulturen zu Hause.

Vor dem Hintergrund unserer Werte werden wir das geplante Sponsoring des Festivals „With Full Force“ zunächst stoppen. Wir erwarten vom Veranstalter zum geplanten Auftritt der umstrittenen Band Frei.Wild auf dem Festival eine klare Stellungnahme. Sollte der Veranstalter weiterhin das Booking der Band bestätigen, werden wir unsere Sponsoring-Aktivitäten einstellen. …“

festivalguide.de :
„Da wir nicht gezwungen werden möchten, eine Entscheidung der Veranstalter zu erklären, vor der wir selber mit Fassungslosigkeit stehen, haben wir ihnen vier Fragen gestellt, die wir uns selber stellen. Da sich die Veranstalter selber im Moment allerdings nicht in der Lage sehen, unsere Fragen zu beantworten, werden wir ihnen noch Zeit bis Montag geben, um sich zu erklären. Abhängend davon und den weiteren Schritten der Veranstalter werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Das With Full Force und der Festivalguide haben eine gemeinsame Geschichte und das Schicksal und der Charakter der Veranstaltung liegen uns am Herzen. Wir möchten das With Full Force auf gar keinen Fall als Tummelplatz rechtspopulistischen Gedankenguts sehen und bleiben daher bis auf weiteres im Dialog. Bis auf weiteres wird unsere Präsentation allerdings ruhen. Wir stehen zum With Full Force – allerdings nur ohne Frei.Wild.“

TätowierMagazin:
„With Full Force 2013 ohne das TätowierMagazin:
Wir wurden gestern und heute wiederholt per Mail gefragt, ob oder wann wir uns aus der Präsentation des diesjährigen With Full Force zurückziehen. Das haben wir jedoch bereits getan, und zwar schon am Mittwoch Vormittag, als wir sahen, dass Frei.Wild im Line Up auftauchen.
Der Grund dafür ist offensichtlich. Die Tattoo-Szene, die wir repräsentieren, zeichnet sich aus durch Toleranz, Respekt und der Aufgeschlossenheit anderer Kulturen gegenüber. Von völkischem Gedankengut distanzieren wir uns und haben uns deswegen aus der Präsentation des Festivals zurückgezogen.“

Wir hoffen,dass in Zukunft immer mehr darüber nachgedacht wird, WER auf Festivals eingeladen wird und wer SIE dabei sponsort und unterstützt bzw. welche Bands mit ihnen spielen wollen.

Kein Platz für Nazis auf Festivals, in Deutschland und Südtirol, Europa und auf der Welt.

La Resistance Ingolstadt

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Nachtrag vom 16.02.2013

Heute ereilte uns alle die Meldung, dass Frei.Wild freiwillig nicht auf dem Festival auftreten wird. Im Gegensatz zu Frei.Wild, hat der Veranstalter des With-Full-Force-Festivals leider noch keine Stellungname zu dieser Debatte abgegeben. Prinzipiell kann man hierbei aber nur von einem halben Sieg gegen diese braune „unpolitische“ Band reden. Denn nun kann die Band ihren „Wir-werden-von-allen-gehasst-und-verfolgt-aber-das-schweißt-uns-zusammen“-Kult weiter praktizieren, der ihr immer noch einen großen Zulauf an Fans und Freunden beschert. Letztendlich lebt die Band genau von diesem Motto, WIR GEGEN DEN REST DER WELT. Auch der ganze Rummel um diese Band in den letzten Tagen, sollte man auch erwähnen, war für sie auch schließlich gute Werbung. In der Stellungname von Phillip Burger, dem Sänger der braunen Südtiroler, wird die Schuld auf, wie sie es bezeichnen, „Internetterroristen“ und „einer kleinen, aber effizienten Gruppe von Internet-Freaks“ geschoben, anstatt der Realität ins Auge zu sehen, dass es sich hier nicht um Internetfreaks, sondern zum Teil um großen Weltkonzernen wie Jägermeister und populären Magazinen wie TätowierMagazin handelt. Hier erst einmal die eben beschriebene weinerliche und lächerliche Stellungname von FW:

“Wir haben uns wirklich ganz besonders auf den Auftritt und auf eine erneute Begegnung mit den Festivalbesuchern des With Full Force gefreut. Wir erinnern uns mit Freude an den WFF – Auftritt 2010. Dieser gehörte ohne Zweifel zu den Jahreshöhepunkten, aber wir wollen und werden keinesfalls die Existenz des Veranstalters und somit des Festivals aufs Spiel setzen.
Einer kleinen, aber effizienten Gruppe von Internet-Freaks ist es gelungen, einen sogenannten “Shitstorm”, ein Phänomen im Rahmen von sozialen Netzwerken, bei dem Emotionalisierung zu Massenentrüstungen führt, zu starten, der eine hektische Medienberichterstattung zur Folge hatte. Die Veranstalter des Festivals sind hierdurch dermaßen unter Druck geraten, dass sich Frei.Wild gezwungen sehen, ihren Auftritt aus freien Stücken abzusagen. Philipp Burger dazu: “Wir spielen dort, wo man sich ungetrübt auf uns freut. Wir suchen nicht die Auseinandersetzung mit unseren Gegnern auf Gedeih und Verderben. Am meisten tut es uns für unsere Fans leid. Unser Publikum ist großartig und kennt unsere Positionen, teilt sie und fällt nicht auf die Stimmungsmache einiger Medien herein. Die Vorwürfe sind alte Hüte mit faulen Löchern, die aber scheinbar bis heute nicht an medialer Brisanz verloren haben, leider.”

Auch hat sich Philip Burger in einem Video das im Internet kursiert, zu Fragen und den angeblich lächerlichen Anschuldigungen, geäußert. Hier benutzen sie bekannte Rhetoriken z.B.: Sie seien keine Nazis (Kein Nazi würde sich Nazi nennen!) und entschuldigt ihren patriotischen Heimatstolz damit, dass eigentlich jeder Mensch das Grundbedürfnis besitze auf seine Heimat stolz zu sein. Für sie sind Nazis eben nur dann Nazis, wenn man eine Glatze hat, Springerstiefel trägt und Ausländer zusammenschlägt. Wie gesagt, reine Rhetorik. Vielmehr ist die angebliche Stellungname ein Aufruf dazu, „gute“ und „böse“ Journalisten zu entlarven und Kritiker an den Pranger zu stellen, in dem „Hintergrundinformationen“ zu den Autoren veröffentlichen werden, und auch „Menschen der Anti-Freiwild-Liga“ zu melden. Ebenfalls sehr beliebt in der rechten Szene. Zu Fakten, die man aus ihren eigenen Liedtexten herausnehmen kann, gab es keine Stellungname oder Äußerung. Texte wie:

…All die Leute, die nicht arisch sind
Und nichts als Unruhe stiften
Gebt mir ein MG
Und ich werde sie vernichten…

oder

„…heut gibt´s den Stempel, keinen Stern mehr und schon wieder lernten sie es nicht,…“

Auch tauchen sie auf rechtsradikalen Internetseiten neben Bands wie Noie Werte, die den Soundtrack für das NSU-Bekennervideo verfasst haben, immer häufiger auf. Vieleicht sollten angeblich „unpolitische“ FW-Fans einmal darüber nachdenken für welche Band sie schwärmen.


1 Antwort auf „Mit Frei.Wild, ohne uns!“


  1. 1 Felix Antifascista 16. Mai 2013 um 9:03 Uhr

    Ein sehr guter Beitrag; großes Lob meinerseits an alle Menschen und Firmen in der BRD und in der ganzen Welt die sich nicht von F**k.Wild und ähnlichen Bands blenden und veräppeln lassen und sich diesem Müll widersetzen! :)

    Grüße
    Felix Antifascista
    Autonom und unbequem – unsre Antwort auf euer System!

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