Archiv für Juli 2014

Hakenkreuze und „Sieg Heil!“

Chronik der Naziaktivitäten in Bayern für Juni 2014

Quelle: aida-archiv münchen
Rechte Aktivitäten Juni 2014
1. Juni 2014

Gerolzhofen-Dingolshausen (Lkr. Schweinfurt). In der Zeit zwischen 28. Mai und 1. Juni 2014 bringen Unbekannte im Rasenspielfeld des Sportplatzes Dingolshausen ein sechs Meter großes Hakenkreuz sowie den Schriftzug „GEO“ und ein Smiley an. Bei einer Veranstaltung am Sonntag, 1. Juni 2014, wird das Hakenkreuz von der Tribüne am Sportheim aus entdeckt und der Polizei gemeldet.

Die Täter_innen haben das Hakenkreuz offenbar mit einem Unkrautvernichtungsmittel produziert, es erscheint deutlich, als schließlich der Rasen um die Zeichen eingeht. Die Verantwortlichen des FV Dingolshausen können Reste eines wohl zur Anwendung gekommenen Granulats auffinden.

Lediglich die lokale „Mainpost“ (www.mainpost.de) macht dieses Geschehen am 27. Juni 2014 publik, die Polizei hatte den Vorgang gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen. Der Fall sei seiner Pressestelle „durch die Lappen gegangen“, räumt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt gegenüber der Zeitung ein. Quelle: Artikel der „Mainpost“ (www.mainpost.de) vom 27. Juni 2014.

2./3. Juni 2014

Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld). Von Sonntagnachmittag, 2. Juni 2014, bis Montagfrüh, 3. Juni 2014, beschmieren Unbekannte im Stadtgebiet mehrere Werbeplakate mit schwarzen Hakenkreuzen und Parolen. Der entstandene Sachschaden wird von der Polizei auf rund 50 Euro beziffert. Quelle: Polizeimitteilung, abgedruckt auch in der „Mainpost“ (Online-Version, www.mainpost.de, 3. Juni 2014).

7. Juni 2014

München. Münchner Neonazis verteilen in südlichen Stadtteilen Postkarten der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Briefkästen.

Auf der Vorderseite der Postkarte, die mit „Weg mit dem Teuro!“ betitelt ist, heißt es: „Wir wollen eine Währung, die uns nicht immer ärmer macht. Verzicht auf eine eigene Währung ist Mangel an nationaler Souveränität!“ Auf der Rückseite wird ein „Europa der Vaterländer“ gefordert. Für die Postkarte, die an eine Kieler Postfachadresse der Partei geschickt werden soll, zeichnet sich der „Die Rechte“-Gründungsvorsitzende Christian Worch presserechtlich verantwortlich.

Die auf den Münchner Neonazi Phillip Hasselbach registrierte Website „München bleibt deutsch“, berichtet über die Aktion und betitelt sie als „Volksaufklärung“.

9. Juni 2014

Grassau (Lkr. Traunstein). In der Nacht auf Pfingstmontag, vermutlich in der Zeit zwischen 2.00 Uhr und 3.30 Uhr, attackiert einE UnbekannteR bzw. attackieren mehrere Unbekannte die Unterkunft für Asylsuchende: An die Außenwände werden zwei Hakenkreuze gesprüht, eines direkt neben dem Haupteingang, das zweite neben dem Eingang zum nördlichen Anbau. Quelle: Pressemeldung der Polizeiinspektion Grassau vom 10. Juni 2014.

9. Juni 2014

Nürnberg. Am Montagnachmittag attackiert ein Fürther Neonazi auf einer S-Bahnfahrt zwischen Hauptbahnhof Nürnberg und der Haltestelle Dutzendteich mehrere Passagiere. Zuerst beleidigt der 31-Jährige die Fahrgäste, zeigt den Hitlergruß, ruft „Sieg Heil“ und rechte Parolen. Der Neonazi beleidigt schließlich einen weiteren Fahrgast, tritt gegen dessen Fahrrad und greift ihn auch körperlich an. Der Angegriffene kann sich jedoch erfolgreich wehren und den Neonazi bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Quelle: Artikel auf www.nordbayern.de vom 10. Juni 2014

21. Juni 2014

Aschaffenburg. In der Nacht von Freitag, 20. Juni 2014, 22.30 Uhr, auf Samstag, 21. Juni 2014, 8.30 Uhr, beschmieren Unbekannte mehrere Außenwände des Jugendkulturzentrums (Jukuz) am Kirchhofweg mit homophoben Parolen und mit Graffitties gegen den Christopher Street Day (CSD). Die mit weißer und schwarzer Farbe angebrachten Schriftzüge sind bis zu zwei Quadratmeter groß. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 2000 Euro.

Am Geländer einer Brücke, die von der kleinen Schönbuschallee Richtung Volksfestplatz führt, haben vermutlich die selben Täter_innen ein Plakat aufgehängt, auf dem in schwarzer Farbe „CSD raus“ steht. Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Unterfranken vom 25. Juni 2014.

27. Juni 2014

Nürnberg. Gegen 21.30 Uhr verlässt ein 37-jähriger Mann die Osthalle des Hauptbahnhofs und ruft plötzlich in eine unbeteilgte Personengruppe hinein „Sieg Heil!“, dazu zeigt er den Hitlergruß. Der Täter wird festgenommen und angezeigt. Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken vom 29. Juni 2014.

29. Juni 2014

Nürnberg. Im Zeitraum zwischen dem 27. und 29. Juni 2014 bringen Unbekannte an einem leerstehenden Supermarkt in der Ingolstädter Straße (Stadtteil Nürnberg-Hasenbuck) drei mal neonazistische Schmierereien (Hakenkreuze und „Adolf Hitler“) an. Außerdem zerstören sie diverse Fenster und Türen. Der Sachschaden wird auf weit über 5.000 Euro geschätzt. Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken vom 30. Juni 2014.

29. Juni 2014

Freudenberg (Lkr. Amberg-Sulzbach). Unbekannte sprühen im Zeitraum vor dem 29. Juni 2014 entlang der Staatsstraße 2339 von Amberg nach Lintach mit schwarzem Lack Hakenkreuze und Schriftzüge auf mehrere Verkehrszeichen, Leitpfosten sowie auf einen abgestellten Bagger. Der Schaden liegt bei rund 500 Euro. Quelle: Artikel der „Mittelbayerischen Zeitung“ (www.mittelbayerische.de) vom 29. Juni 2014.

Spontandemonstradtion für Josef

Quelle:Indymedialinksunten
[Jena] Spontandemonstration mit 120 Leuten zum Schuldspruch von Josef
Verfasst von: #freejosef. Verfasst am: 23.07.2014 – 00:05. Geschehen am: Dienstag, 22. Juli 2014.

Keine vier Stunden, nachdem Josef in Wien in allen Anklagepunkten für schuldig erklärt wurde, fand in Jena eine spontane antifaschistische Demo in Solidarität mit unserem Freund und Genossen Josef statt – ein mehr als deutliches Zeichen für die breite Unterstützung Josefs und für die Empörung über ein halbes Jahr Knast und den Ausgang des politischen Schauprozesses der Wiener Gesinnungsjustiz.

Josef ist damit zwar zu 12 Monaten Haft, davon 8 bedingt, verurteilt, aber durch die Anerkennung der bereits abgesessenen U-Haft heute schon auf freiem Fuß. Damit fällt uns ein Stein vom Herzen, aber die Wut im Bauch bleibt bestehen: Josef verbrachte ohne Urteil ein halbes Jahr im Knast. Josef wurde dann ohne einen einzigen Beweis und bei Außerkraftsetzung der sogenannten „Rechtsstaatlichkeit“ verurteilt. Auf seinem Rücken hat die Wiener Staatsanwaltschaft mit der NoWKR-Demo und antifaschistischem Protest an sich abrechnen wollen. Nicht ohne Grund faselte die Staatsanwaltschaft in Bezug auf den 24. Januar von „kriegsähnlichen Zuständen“ und „Terrorismus“. Zudem wurde nun der Landfriedensbruchparagraph als neuer Ermittlungsparagraph und Mittel der Aufstandsbekämpfung wieder in den Katalog der zur Verfügung stehenden Repressionsmaßnahmen aufgenommen.

Die Demo machte eine große Runde durch die Innenstadt, besuchte dabei ein Burschenschaftshaus und auch „unser“ Haus in der Carl-Zeiss-Straße 11. Es war am 1. Juli unter anderem mit Grüßen an Josef besetzt worden, wurde am Tag danach von den Bullen geräumt.

Mit der Freilassung von Josef ist der Kampf gegen die Repression noch lange nicht vorbei. Die Verteidigung hat sich Bedenkzeit geben lassen und wird eventuell das Urteil anfechten. Der Schuldspruch ist nicht in Stein gemeißelt. Zudem warten noch unzählige Menschen aufgrund ihrer Teilnahme an den Protesten vom 24. Januar auf einen Prozess. Hüsyein, der am 4. Juni in Wien auf einer Demonstration gegen das burschenschaftliche „Fest der Freiheit“ festgenommen wurde, befindet sich heute noch in Haft und wird wohl Mitte August dem Richter vorgeführt werden. Er hatte an der Demonstration der Offensive gegen Rechts teilgenommen. Die Bullen laufen in Wien mit Fahndungsfotos auf Demos und versuchen jetzt noch, Leute aufgrund des 24. Januar zu verhaften. So hat es Hüsyein getroffen. Über 500 Verfahren laufen noch.

Der Kampf geht weiter – gegen die Repression wie auch das burschenschaftliche Unwesen!Im nächsten Jahr wird der Akademikerball wieder in der Wiener Hofburg stattfinden und wir werden auch dann zeigen, dass wir diese Verhältnisse nicht hinnehmen, in denen Neonazis auf Prunkbällen tanzen und Antifaschist_innen in Knäste gesteckt werden. Vienna Calling! Jetzt erst recht!