Spontane Mahnwache in Winden

Da in Winden an einer geplanten Unterkunft für Asylsuchende ein Feuer gelegt wurde, versammelten sich ca. 20 Antifaschist/-innen spontan vor dem ehemaligen Landgasthof Däuber.

Während der Versammlung wurden in der Nachbarschaft Flugblätter verteilt, deren Text weiter unten zu finden ist. Vereinzelte männliche Anwohner reagierten mit wüsten Beleidigungen auf die Flugblätter.

Andere Anwohner/-innen nahmen das zugegeben provokante Angebot zur Diskussion an, ausführliche und sachliche Gespräche wurden geführt und es wurden auch spontan Getränke zu der kleinen Versammlung gebracht.

Die Unterbringung in ehemaligen Landgasthof Däuber ist durchaus diskutabel, da in Winden kein Supermarkt oder ähnliche Strukturen vorhanden sind, die ein Zusammenkommen und Kennenlernen in älltäglichem Rahmen erleichtern würden.

Argumente wie „Denkt an unsere Kinder!“, die beispielsweise bei einer Demonstration vor dem Rathaus in Reichertshofen im März diesen Jahres auf Schildern zu lesen waren, sind nicht sachlich, da dadurch suggeriert wird, dass Asylsuchende per se eine Gefahr für Kinder darstellten.

Auch die Forderung nach „Nicht so Vielen“ schafft leider ein Klima, in dem Hetze besser ankommt.

Zu diesem Vorwurf können wir uns ein Kommentar leider nicht verkneifen:

„Elisabeth Kukral, die Einsatzleiterin der Caritas-Nachbarschaftshilfe Reichertshofen, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung am gestrigen Abend noch, das sie jetzt von Sympathiekundgebungen vor Ort nichts halte; sie seien eher kontraproduktiv. Vielmehr sollten die kommenden Wochen genutzt werden, sich auf die Ankunft der Flüchtlinge vorzubereiten und um eine entsprechende Willkommenskultur zu pflegen.

Angesichts der heutigen Flugblattaktion, die von einer Art Mahnwache und Straßentexten begleitet wurde, ist Kukral jetzt erschrocken: „Ich finde es schlimm, dass jetzt Auswärtige auf den Zug der Entrüstung aufspringen wo wir doch Ruhe brauchen, um vernünftig weiterzuarbeiten.“ Damit sei einerseits den Windenern, und zwar auch zum Verarbeiten der Brandstiftung, aber allen voran den bald eintreffenden Asylbewerbern am meisten geholfen.“– Quelle: Hallertau Info

1. Wir haben versucht, Frau Elisabeth Kukral zu erreichen – dass sie ihre E-Mails nicht öffnet und uns nicht antwortet, ist ehrlich gesagt nicht unser Bier.

2. Naja…Menschen aus der Umgebung als „Auswärtige“ zu bezeichnen ist erst mal leicht dreist, da Frau Kukral oder die Polizei sicher nicht wissen, wo alle der 20 bei der Mahnwache anwesenden Personen ihren Wohnsitz haben.Des Weiteren lässt es, eine Aktion gegen Rassismus als Aufspringen auf „den Zug der Entrüstung“ zu bezeichnen, schon tief blicken.

23 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen und im Jahre Freital müssen wir täglich aktiv werden und wachrütteln, da bald sonst nicht nur Balken sondern Menschen brennen.

Wir bleiben wachsam – wir bleiben aktiv und sind jederzeit bereit, für Menschen einzutreten, die aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexuellen Identität angefeindet werden.

Hier der Text vom Flugblatt:
„Ein Volk, das seine Fremden nicht ehrt,ist dem Untergang geweiht!“ (Goethe).

In Deutschland brennen wieder Flüchtlingsunterkünfte! Das ist leider bittere Realität.
Natürlich äußern der Innenminister Herrmann und alle politischen Verantwortungs-träger Betroffenheit.
Aber mit zur Wahrheit gehört auch, dassin diesem Land offensichtlich wider ein Klima herrscht, in dem
die Menschenverachtung fruchtbare Blütentreibt
.
„Die unverantwortlichen Hetzreden der CSU-Lautsprecher Söder und Scheuergegen angeblichen
massenhaften Asylmissbrauch haben den Brandstiftern die Argumente für ihre schändliche Tat geliefert.“

(Süddeutsche Zeitung 16.07.2015)
Aber nicht nur die CSU ist hier zu nennen. Den Boden für Brandsätze haben auch
diejenigen bereitet die vorm Däubler und in ihren Grundstücken Schilder aufgestellt
haben, dass man nicht
„so viele“ Flüchtlinge in Winden aufnehmen wolle!
Den Boden bereitet haben jene sog.„besorgten Bürger“die anstatt aufnüchterne und sachliche
Information auf„Dorfgespräch“und Stimmungsmache gesetzt haben!

Mitverantwortung tragen auch die, die zwar mit dieser Hetze nicht einverstanden waren, aber nicht
dagegen aufgestanden sind!


Hier der Link zum Bericht der Linksjugend Ingolstadt

Update:
Auf hallertau.info ist ein Artikel erschienen, in dem erwähnt wird, dass aufgrund des Flugblattes mindestens eine Anzeige wegen „Beleidigung und übler Nachrede“ bei der Polizei eingegangen ist.

Zum Artikel haben wir doch noch folgende Fragen:
1. Wurde auch gegen alle Presseangebote Strafanzeige gestellt, die über den Brandanschlag berichtet haben?
2. Müssen Menschen, die politisch aktiv werden, ab jetzt immer mit Strafanzeigen rechnen wenn sich vereinzelte Anwohner ungerecht behandelt fühlen?

Die Facebookseite “ Dorfgespräch Winden am Aign“ widmet sich ausschließlich der geplanten Flüchtlingsunterkunft im Landgasthof und ist das Sprachrohr der Bürgerinitiative. Auf dieser Seite fallen viele User auf, die u.a. Islamfeindliche Seiten oder Propaganda der sog. „Alternative für Deutschland“ teilen – auch ist der Kommentarbereich der Seite diesbezüglich durchaus interessant.


1 Antwort auf „Spontane Mahnwache in Winden“


  1. 1 Horst Winden 22. Juli 2015 um 13:13 Uhr

    Euer Flugblatt hat genau den wunden Punkt der Windener getroffen. Die Anwohner, die in ihren Vorgärten fremdenfeindliche Parolen aufstellen haben, sollten sich was schämen. Waren sie auch so „besorgt“ und „engagiert“ als Hartz4 oder TTIP eingeführt wurde? Wo haben sie protestiert, als der Mittelmeerraum im Chaos versunken ist? Daher finde ich, diese „besorgen Bürger“ sollen einfach mal ganz still sein!

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