Hausverbot für Helfer- Solidarität mit Levent Özkiran!

Am Montag, den 28.September, teilte Levent Özkiran mit, dass er von der Regierung von Oberbayern ein Hausverbot für die Flüchtlingsunterkünfte in der Region auferlegt bekommen hat.
Eine Begründung wurde ihm nicht mitgeteilt.

Levent gibt seit Monaten ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge und organisiert mit ihnen gemeinsam Ausflüge und andere Freizeitaktivitäten.
Das alles in seiner Freizeit und ohne Hilfe von Staat und Behörden.
Auch Spendensammlungen und andere direkte Hilfe organisierte er durch die von ihm ins Leben gerufene Facebookgruppe „Willkommenskultur Ingolstadt“.
Durch das jetzige Hausverbot wird diese Arbeit enorm erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht.
Wir sind der Annahme , dass das Hausverbot nicht ohne Grund erteilt wurde, sondern den Zweck hat, jetzt wo das Erstaufnahmelager Ingolstadt in ein Abschiebelager umgewandelt wird, sämtliche Öffentlichkeit außen vor zu lassen, damit still und heimlich im großen Stil abgeschoben werden kann.

Jetzt braucht Levent unsere Solidarität!
Solidarität mit Levent Özkiran – gemeinsam gegen Staatswillkür und Repression!

In Folge dokumentieren wir hier sein Statement, das so auf Facebook erschienen ist:

Es war eine sehr schöne Zeit. Leider habe ich am Samstag vom Amt für Asylbewerberangelegenheiten erfahren, dass die Regierung von Oberbayern mir anscheinend, ohne Begründung, am Donnerstag mit sofortiger Wirkung den Zugang zu den Unterkünften entzogen hat. Ich will aber nicht aufhören aktiv zu sein! Meine Freunde und ich haben schon sehr vielen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, Würde und Stolz zurückgegeben und tolle Begegnungen ermöglicht.
Wir haben sehr viel nachhaltige Arbeit geleistet. Den Menschen den Weg zu Spielplätzen, Weihern, Sehenswürdigkeiten, Geschäften, Bushaltestellen, Vergnügungsstätten, Bolzplätzen und allen möglichen Orten für eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit zu zeigen, sind nur einige Beispiele.
Natürlich haben wir auch bei ganz alltäglichen und auch rechtlichen Dingen geholfen, die ich nie veröffentlicht habe. Spenden sammeln, sortieren und verteilen hat uns auch immer sehr viel Freude bereitet. Auf Anfrage private Deutschkurse einzurichten, war für uns selbstverständlich, um den Menschen ein zusätzliches Bildungsangebot zu bieten. Wir haben unseren neuen Mitbürgern, die ihre Heimat verlassen mussten, natürlich auch spaßige und/oder interessante Angebote offeriert. Dazu zählten Turniere, Stadtführungen und vieles mehr.
Alles aufzuzählen würde hier definitiv den Rahmen sprengen.

Es gibt aber auch eine Seite des Ehrenamtes, die bisher, zumindest meinerseits, nie an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Am sogenannten Stammtisch der Ehrenamtlichen waren Aussagen, von wegen Flüchtlinge bräuchten für die Teilhabe am kulturellen und öffentlichen Leben keine Transportmöglichkeiten, die sie sich leisten können, (Und jetzt kommt der Hammer) da diese Menschen es eh gewohnt seien lange Strecken zu laufen und eh nichts sinnvolles zu tun hätten, nicht die Ausnahme. Angefangen hatte ich mit einem sehr überschaubaren Personenkreis um mich herum, jedoch wuchs diese „Bewegung“ rasant an und blieb auch Amt und Würden nicht lange verborgen, da wir stets bemüht waren sehr transparent und auf Augenhöhe agiert haben. Es hat nicht lange gedauert, bis die Arbeit boykottiert und torpediert wurde. Sogar vor Einschüchterungsversuchen und einer Drohkulisse hat man nicht zurückgeschreckt. WER hat das getan und in welcher Art und Weise?

Nun, wenn man als Moslem neben einem Moscheeverein wohnt, könnte ein Oberbürgermeister meinen, man könne den Vorstand dieses Vereins anweisen „mich in die Schranken zu weisen“, auch wenn ich mich von derartigem kaum bis gar nicht beeindrucken lassen würde.
Anweisungen, mich nicht mehr außerhalb meines Deutschunterrichts in die Unterkunft zu lassen, könnte es auch öfter gegeben haben, auch wenn man, jedes Mal aufs Neue eingesehen hätte, dass es doch recht unübersichtlich wäre, wenn die Menschen sich für eine Veranstaltung oder einen Ausflug oder eben für Spendenaktionen einfach vor dem Tor versammeln würden.

Diffamierungen hinter verschlossener Türe könnten auch eher die Regel als die Ausnahme gewesen sein. Mich zum Beispiel vor Würdenträgern bloßzustellen, indem man streng vertrauliche Informationen über meine Vergangenheit oder meine finanzielle Situation weitergäbe, wären sehr bedauerlich.

Wenn der Oberbürgermeister einer Stadt einen offenen „Ob-Chat“ veranstaltet, ist dies löblich und bürgernah. Leider war dieser Tag keiner, an den ich mich gerne zurückerinnere. Man hätte meinen können, Herr Lösel sei der Annahme gewesen, dass keine Partei hinter mir stünde, im Gegenteil, „die anderen Parteien“ würden sich regelmäßig, worüber auch immer, da ich nur ehrenamtliche Arbeit leiste, in deren Rahmen ich Menschen helfe, diese integriere und, wenn auch nur für einen Moment, glücklicher mache, bei ihm über mich beschweren würden. Das hätte ich schon als sehr seltsam empfunden, da ich, abgesehen von der CSU, von allen in der Region etablierten Parteien Unterstützung erfahren habe. Natürlich hätte es noch eine Krönung gegeben, indem er mir gesagt hätte, die Stadt prüfe regelmäßig, ob man Anzeige gegen mich erstatten könne. Dies wären nur einige wenige Dinge gewesen, die ich seltsam und oder erschreckend gefunden hätte, ohne weitere nennen zu wollen.