Archiv für Oktober 2015

„Nürnberg brennt – wir tanzen!“

Quelle: Auf der Suche
Am 17. Oktober ist es wieder soweit. Zum zweiten Mal findet unter dem Motto „Nürnberg brennt, wir Tanzen“ die unter anderem von uns organisierte Nachttanzdemonstration statt.

Wir wollen ein Zeichen setzen gegen eine Stadt, die vordergründig durch Verdrängung, Kontrolle und Überwachung gekennzeichnet ist. Stadt im Kapitalismus bedeutet, dass alles der Verwertung unterworfen ist. Auf der anderen Seite heißt das wiederum, dass die vielen Menschen, die das Stadtbild in einer von Verwertung durchdrungenen Gesellschaft stören, ständig verdrängt und mit Repression überzogen werden. Die Gründe für die Vertreibung aus dem öffentlichen Raum sind so vielfältig, wie die vielen Bullen, privaten Sicherheitsdienste und selbsternannten Hilfssheriffs, die dafür verantwortlich sind, dass sie überhaupt statt finden kann. Denn diese Akteure verhelfen der Kriminalisierung von Bettelei, rassistischen Polizeikon­trollen, Platzverboten und den vielen anderen Symptomen einer repressiven Stadtpolitik erst zum Erfolg.

Wenn Menschen sich damit nicht abfinden wollen und sich den urbanen Raum und ihre Leben wieder aneignen wollen, ist der Staat ebenso schnell zur Stelle. Mit bürokratischen Hürden und teils offener Repression werden sie daran gehindert selbstverwaltete und unkommerzielle Räume aufzubauen und zu entwickeln. Denn der Staat sieht in diesen Räumen eine Gefahr für die vorherrschende Logik von Staat und Kapitalismus. Vom Staat und der Stadtpolitik haben wir also nichts zu erwarten. Vielmehr müssen wir diese Freiräume erkämpfen und verteidigen.

Deshalb rufen wir dazu auf am 17. Oktober im Rahmen der Demonstration ein Zeichen zu setzen gegen Verwertung, Verdrängung, Gentrifizierung, Bevormundung, Überwachung und Verein­zelung. Ein Zeichen gegen die bestehenden Verhältnisse.
Lasst uns gemeinsam tanzend die Straßen zurückerobern und zeigen, dass wir eine andere Stadt wollen.

Repression und Verdrängung den Kampf ansagen!
Freiräume entwickeln, erkämpfen, erhalten!
Für eine selbstorganisierte Gesellschaft von Unten!
plakat
Weitere Infos und den Aufruf findet ihr unter:
www.ntdnbg.blogsport.eu/

150 gegen Polizeigewalt

Am Samstag, den 3. Oktober versammelten wir uns am Rathausplatz in Ingolstadt. Nach einer kurzen Begrüßung formierten wir uns zu einem Demonstrationszug und zogen los in Richtung Innenstadt.

Vom Rathausplatz führte unsere Route über die Harderstraße zum ZOB
(Zentraler Omnibus Bahnhof ) und über die Schrannenstraße zum Amtsgericht.

Am ZOB fand eine Zwischenkundgebung statt. Dort wurden zwei Redebeiträge gehalten, die auch bei den Passanten gut ankamen.
Zwei Vertreter der Fangruppe „Supporters Ingolstadt“ sprachen über Fälle von Polizeigewalt aus der Region und detaillierter über den Fall am Ingolstädter Hauptbahnhof, in dessen Verlauf ein Bamberger Fan verletzt wurde.
Ein Vertreter der Gruppe „La Resistance“-Ingolstadt erinnerte an durch Polizeigewalt getötete Antifaschisten, die massive Repression während des G7 Gipfel in Elmau und an Antifaschisten, welche sich zur Zeit in Haft befinden.

Während der Kundgebung filmten die eingesetzten Polizeikräfte ohne Angabe von Gründen rechtswidrig unsere Veranstaltung!

Am Amtsgericht fand unsere Abschlusskundgebung statt. Dort sprach ein Vertreter der Fangruppe
„Gioventu“ über persönliche Erfahrungen mit Polizeigewalt während einer Auswärtsfahrt,
eine Vertreterin der Gruppe „La Resistance“ klärte über Racial Profiling auf und Vertreter
des „Antifa Stammtisch München“ sprachen über den Fall Paul.

Nach der Abschlusskundgebung wurde die Veranstaltung aufgelöst.

Während der gesamten Aktion kam es weder zu Festnahmen noch zu Anzeigen oder Personalienfeststellungen durch die Polizei.
Auch im Vorfeld kam es, soweit uns bekannt, nicht zu Personenkontrollen.

Wir kritisieren den massiven Polizeieinsatz , durchgehend war unsere Demonstration von BeamtInnen der Bereitschaftspolizei in Einsatzpanzer flankiert – diese bildeten auch zeitweise ein Spalier, nötig war der Einsatz in keinem Fall. Ausgereicht hätte ein normales Aufgebot zur Verkehrsabsicherung.
Wir werten den überzogenen Einsatz als Provokation. So waren auch in den Seitenstraßen Fahrzeuge des USK abgestellt.

Laute Parolen und Sprechchöre waren ständig zu hören, auch wenn diese nicht immer ganz zum Thema passten.

Natürlich gibt es Kritik und diese muss auch sorgfältig reflektiert werden, doch werten wir die Aktion als Erfolg für die Protestkultur in Ingolstadt.

Es ist gelungen, mit „ unpolitischen“ Fangruppen und antifaschistischen Gruppen eine Initiative zu bilden. Zeitweise schlossen sich Passanten spontan der Demonstration an und in
der Presse (DK , Today) wurde berichtet.

Mit über 150 TeilnehmerInnen erfüllte die Beteiligung unsere Erwartungen.

Wir danken den Fangruppen
„Gioventu“, „Supporters Ingolstadt“ , „Black Red Company“ und „Common Sens Crew“
sowie der „Kämpfenden Jugend“ und dem „Antifa Stammtisch München“ für die Unterstüzung.

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