Rede zum 9. November

Hier unser Redebeitrag zur Mahnwache am 9. November:

Vor 77 Jahren brannte Ingolstadt.
Und nicht nur Ingolstadt, in ganz Deutschland brannten in dieser Nacht jüdische Geschäfte und Synagogen. Menschen wurden vom aggressiven Mob wie Vieh durch die Stadt gejagt – nicht wenige verloren damals ihr Leben.

Aber zum Glück ist das alles lange vorbei – sogar unsere Großeltern
erinnern sich nur noch dunkel an diese „düstere Zeit“, in der so viele so wenig
wussten oder wissen wollten. Nein, heute leben wir in einer offenen und toleranten Gesellschaft, in der rassistische Vorurteile
längst der Vergangenheit angehören…Oder?

Gerade heute, an diesem historischen Tag, wurde in München der Pegida-Aufmarsch im Eilverfahren doch noch erlaubt, nachdem er zunächst von der Stadt verboten worden war. Sie marschieren wieder – die besorgten Bürger, besorgt um ihr Hab und Gut, das die „bösen Ausländer“ ihnen wegnehmen wollen. Besorgt um ihre Heimat und ihre Kultur, die Menschen anderer Herkunft mit Sicherheit für immer zerstören werden.

Auch damals waren es jene besorgten Bürger, die johlend Häuser in Brand steckten, Menschen in die Donau trieben – und später keine Ahnung von der Vernichtung gehabt haben wollten.

In Zeiten, in denen Übergriffe auf Geflüchtete an der Tagesordnung sind, in denen wieder Häuser brennen, dürfen wir nicht wegschauen. Wir müssen uns der immer stärker werdenden Gefahr von rechts mutig entgegenstellen. Wer in der Demokratie schläft, wird im Faschismus aufwachen – Nie wieder darf Geschichte sich wiederholen.

Wir sind heute hier, um ein Zeichen zu setzen – denn später einmal soll es nicht heißen, wir hätten von nichts gewusst – Wehret den Anfängen!