Archiv für Februar 2016

Rechtsextremismus im Karneval – Alles nur Spaß?

Fasching und Politik – das hat Tradition. In humorvollen und satirischen Umzugswägen oder Büttenreden nimmt man schon seit der Kaiserzeit die politische Landschaft in Deutschland aufs Korn. Die widerwärtigsten Auswüchse dieser Politik in der „fünften Jahreszeit“ war in der Zeit des Hitlerfaschismus zu bemerken. Schon im Jahr 1933 konnte der „Westdeutsche Beobachter“ über den Rosenmontagszug in Köln berichten, dass der Zug nichts „Volksfremdes“ aufwies, was „in den Nachkriegsjahren unter den mannigfachen Einflüssen liberalistisch-marxistischer Strömungen der Fall gewesen war“. Und im Jahr 1938 zierte einen Wagen auf dem Nürnberger Rosenmontagszug der am Galgen baumelnde „letzte Jude“.

Diese traurige Tradition scheint sich nun, in Zeiten von Pegida, AfD und den sich häufenden Anschlägen auf Asylsuchende und deren Unterkünfte fortzusetzen – heute, wo wir über die „Anfänge“ von damals schon fast hinaus sind, wird das bunte Treiben erneut genutzt, um Stimmung gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu machen – früher die Juden, heute die Geflüchteten.

So fanden es zwei Brüder im oberbayerischen Steinkirchen wohl besonders witzig, einen Papp-Panzer mit der Aufschrift „Asylpaket III“ und auf der anderen Seite „Ilmtaler Asylabwehr“, dazu ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund auf den dortigen Umzug zu schicken. Als sich bald darauf die Behörden einschalteten und der geschmacklose, jedoch überhaupt kein bisschen böse gemeinte Wagen landesweites Aufsehen in der Presse erregte, war die Verwunderung bei den Verantwortlichen groß. Dass der Vorsitzende des „Oberilmtaler Carnevalsvereins“, der den Umzug veranstaltet hatte, bei den „Buben“, wie er sie nennt, keinen rechten Hintergrund erkennen will, spricht hier Bände – für ihn war alles nur „Gaudi“. Ein Einzelfall ist der Fall aus Steinkirchen nicht, wenn auch die anderen weniger mediale Aufmerksamkeit erhielten. So wurde auf einem anderen Umzug beispielsweise der „letzte Deutsche“ symbolisch zu Grabe getragen. Und andernorts gab es sogar ein lebendig gewordenes REP-Wahlplakat zu bestaunen, wo als Indianer verkleidete Umzugsteilnehmer ein Schild mit der Aufschrift „Die Indianer konnten nichts gegen die Einwanderung tun – heute leben sie in Reservaten“ hochhielten – die Geschmacklosigkeit und Widerwärtigkeit einer solchen Aussage, vor allem wenn sie von Europäern kommt, braucht hier nicht extra betont zu werden.

Aber auch hier vor Ort diente der Fasching und die damit verbundenen Alkoholeskapaden einigen, der „guten alten Zeit“ nach Herzenslust zu fröhnen. So geschah es am Rosenmontag im Bus von Gaimersheim Richtung ZOB, dass mitten in der ausgelassenen Partystimmung, die bei den Kostümierten im Bus herrschte, ein fröhliches „Sieg – Heil“ zwischen den Umbatätärä und Zicke-Zacke-Rufen erschallte. Diejenigen Fahrgäste, die entweder zu nüchtern oder zu anständig waren, in den Ruf miteinzufallen, lachten nur beschämt hinter vorgehaltener Hand. Auch von Seiten des Busfahrers kam kein Widerspruch, wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

Allerdings gibt es auch Positives von der närrischen Zeit, in der der „kleine Mann“ in unzähligen Prunksitzungen traditionsgemäß den „Großen“ die Meinung sagen darf, zu berichten. So stellte man bei der Traditionssitzung „Mainz bleibt Mainz – wie es singt und lacht“ schon zu Beginn klar, dass man für Weltoffenheit und Toleranz stehe. Die Redner waren sich einig in der Meinung, die AfD sei eine geschmacklose und demokratiefeindliche Partei, manch einer forderte hier sogar eine „Gratisreise über das Mittelmeer mit dem Schlauchboot für jeden, der Asylbewerberunterkünfte anzündet“ – ein Vorschlag, dem wir uns nur zu gern anschließen, ihn aber auch auf diejenigen ausweiten würden, die mit ihren fremdenfeindlichen Parolen zu solchen Tagen beitragen.

Im niederbayerischen Abensberg nahmen die Geflüchteten, die seit einigen Monaten im Ort leben, wie selbstverständlich am jährlichen Faschingsgillamoos teil. Man feierte friedlich zusammen und auch wenn seitens der Neubürger einige Verwunderung über das Treiben aufkam, war es doch eine gute Möglichkeit, einandernander näherzukommen und besser kennenzulernen – ein Angebot, dass von beiden Seiten gerne angenommen wurde. Auch der Kelheimer Landtagsabgeordnete der CSU, der in Abensberg traditionell durch das Programm führt, ließ sich von den Morddrohungen, die von Rechtsextremen aufgrund seiner Integrationspolitik gegen ihn lautwurden, nicht einschüchtern und moderierte wie jedes Jahr mit guter Laune die Veranstaltung.

So bleibt nur zu sagen, dass für Fasching das Gleiche gilt wie für den Rest des Jahres auch: Der Rechtsruck in unserer Gesellschaft ist und bleibt bedenklich, Neonazis wie auch die sog. „besorgten Bürger“ tragen ihren Rassismus und ihre menschenfeindlichen Parolen offener und selbstbewusster auf die Straße. Dies ist natürlich eine Entwicklung, der man nicht tatenlos zusehen kann und gegen die es anzukämpfen gilt. Auf keinen Fall darf man darüber jedoch vergessen, dass es auch hierzulande noch Menschen mit Herz gibt, die sich der rechten Hetze mutig entgegenstellen – und diese Menschen sind unsere Zukunft.

Hier eine kleine Auswahl der „Faschingsscherze“

deutsche
„Der letzte Deutsche“

Indianer
„Indianer“

U-Boot
„U-Boot“

Panzer
„Panzer“

Zug
„Zug“

Ist die Hexenjagd eröffnet?

Heute veröffentlichte der Donaukurier einen Artikel der sich scheinbar mit der
„Kämpfenden Jugend Ingolstadt“ beschäftigt.
Die KJI ist eine linke Gruppierung aus der Region, die seit einem halben Jahr zu verschiedenen Themen Texte veröffentlicht, Aktionen durchführt und inhaltlich arbeitet.Mehr Informationen zur KJI sind deren umfangreichen Webseite zu entnehmen.So viel zu den Fakten.


Heil Stalin oder was?

Der Artikel beschreibt anhand einer angeblichen Quelle im Umfeld der Linksjugend Ingolstadt, dass sich die linke Szene in Ingolstadt „immer härter radikalisiert hat“- das geht laut dem Autor des Artikels bin hin zu Verherrlichung Stalins und Pöbeleien gegen Israel.
Wo genau der Autor dieses Artikels diese „Infos“ recherchiert hat lässt er offen.

Auch wurde der Artikel mit einer Archivaufnahme des Donaukuriers garniert, die von der Demonstration zum Antikriegstag 2015 stammt, welche von der Gruppe „La Resistance“ maßgeblich mitorganisiert wurde.

Durch die Verwendung genau dieses Bildes und der haltlosen Unterstellung, in der Ingolstädter linken Szene würde Stalin verherrlicht und gegen Israel gepöbelt, wird aus einem Artikel der in ekelhafter Manier auf eine linke Gruppe losgeht und auch gleich einer Person aus dieser Gruppe mit vollem Namen und Alter nennt, ein publizistischer Angriff.
Ein Angriff auf eine gesamte Szene, die aus mehreren Organisationen und vielen Einzelpersonen besteht.

Gehts noch?
Normalerweise würden wir den Autoren bitten, genauer bzw. überhaupt zu recherchieren. Aber das ist in diesem Fall Zeitverschwendung.Hinter diesen pauschalen und haltlosen Unterstellung kann eigentlich nur politisches Kalkül stecken – da muss sich der „CSU-Kurier“ nicht über seine Spottnamen wundern, wenn derartige Hetzte veröffentlicht wird.
Wir haben mehrmals deutlich klargemacht, was wir von Antisemitismus halten und wie wir damit umgehen. Woran genau der Autor die Verherrlichung von Stalin gesehen oder gelesen haben will, erschließt sich uns genau so wenig, wie wir auch nicht von einer „härteren Radikalisierung“ der lokalen Szene sprechen können.

Grüße an den Verfassungsschutz!?
Der Titel des Artikels lautet „Mit Grüßen an den Verfassungsschutz.“.
Unter dem Titel prangt das oben genannte Bild.
Was will uns der Autor damit sagen?
Dass der, der gegen den Krieg auf die Straße geht, verfassungsfeindlich ist?
Dass der Autor sich den Verfassungsschutz herbeiwünscht, wenn sich Menschen antikapitalistisch und antimilitaristisch organisieren, zeigt einmal mehr seine politische Orientierung.

Ob die Nennung des kompletten Namens einer Person aus dem Umfeld der KJI ohne deren eindeutige Zustimmung mit dem Pressekodex vereinbar ist – erst recht wenn dieser Name mit offensichtlich falschen Informationen genannt wird – stellen wir in Frage.
Rein rechtlich könnten wir den kompletten Namen und das Alter des Autoren des DK Artikels nennen, aber wir haben das nicht nötig, denn er weiß wie er heißt und wie alt er ist.

Auch stehen wir dem aktuellen Trend in Teilen der lokalen Linkspartei Differenzen und Streit an die Presse zu tragen äußerst kritisch gegenüber.