Stacheldraht in Hagenhill

Hagenhill, ein kleines verschlafenes Dörfchen nahe Altmannstein. (Wikipedia: Am 15. März 2007 zählte der Ort 407 Einwohner) Auch hier werden derzeit Flüchtlinge einquartiert, so wie überall in Deutschland. Doch leider oder auch besonders hier, einem auf dem Land gelegenen Dorf, trifft man nicht nur auf fleißige Helfer oder neutrale Stimmen zu dieser Thematik, sondern auch auf die sogenannten „besorgten Bürger“. So sehr konstruktive Kritik in Zeiten der Flüchtlingskrise an die Politik und den Staat auch berechtigt ist, übertreiben es manche Bürger immer wieder. Seit Kurzem gibt es das Gerücht, Anwohner hätten ihre Grundstücke mit Stacheldraht und Warnschildern ausgerüstet, um sich vermutlich vor der „aggressiven und bösartigen Flüchtlingsbrut“ zu schützen. Das nahmen wir uns zum Anlass mal näher hinzusehen. Am 28.03.2016 machten sich Aktivisten der La Resistance auf den Weg, um näheres zu erfahren und sich ein eigenes Bild zu machen.

Nach kurzer Fahrt durch das beschauliche Dorf Hagenhill, traf man zufällig auf eine Flüchtlingshelferin und Anwohnerin. Wir erkannten sie daran, da sie vorbeigehende Flüchtlinge begrüßte und deren Hand schüttelte. Sie zeigte sich sichtlich erschrocken, wie schnell doch das Gerücht des anscheinend rechten Anwohners die Runde machte. Im Laufe des Gesprächs konnte man erfahren, dass glücklicher Weise, nicht alle Anwohner diese fragwürdige Einstellung besitzen. In Winden am Aign war das leider überwiegend der Fall. Sie sieht positiv in die Zukunft, was die Stimmung der Einwohner angeht. Es gibt nach ihrer Aussage sogar einen eigenen Helferkreis mit 10 Mitgliedern. Derzeit wohnen 16 Flüchtlinge, alle aus Ländern des mittleren Ostens, vermutlich Afghanistan, Syrien und etc. in dem kleinen Dörfchen. Altmannstein, zu dem auch Hagenhill gehört, hat insgesamt 89 Refugees. Diese Zahl wird aber demnächst noch etwas höher. Nach ihrem Aussehen nach, sind alle Flüchtlinge noch jung, schätzungsweise zwischen 18 und 28.
Nun zu den angesprochenen Grundstücken. Zuerst fiel uns ein einzelnes Warnschild vor einer Scheune auf:

Privatgrundstück - Betreten verboten

Gleich wenn man links in den Ammerbauerweg einbiegt traf uns dann fast der Schlag:

Nato-Draht und Zäune am Ammerbauerweg

Allen Ernstes stattete der Bewohner dieses Hauses seinen Rasen mit 2 Rollen Nato-Stacheldraht aus. Davor zusätzlich einen Drahtzaun, den man sonst nur an Tiergehegen sieht. Die Szenerie erinnerte eher an ein Lager aus „The Walking Dead“ als an ein Dorf, in dem vermutlich der Hase dem Fuchs gute Nacht sagt. Man wurde kurzzeitig an die Stacheldrahtzäune an unseren europäischen Grenzen erinnert, an denen tagtäglich Menschen frieren, warten, leiden, wenn nicht sogar sterben. Laut Aussage der Helferin sei die Intention des Urhebers „nur“ Protest gegen das System, nicht aber gegen die Flüchtlinge. Ähnliches hörte man schon in Winden am Aign, wo letztendlich eine Unterkunft in Flammen aufging. Vorangegangen ist eine ähnliche Form gegen Flüchtlinge mobil zu machen. Dort stellte man Schilder mit „Denkt an unsere Kinder“ usw. in den Garten. Aber dazu später mehr. Es ist erschreckend, dass selbst Flüchtlinge die die europäischen Grenzen überwunden/überlebt haben selbst am Ziel, an ihrer Unterkunft noch an ihre fürchterliche Flucht erinnert werden. Auch ist es zu verurteilen was durch dieses Konstrukt impliziert wird. Nämlich das Refugees in ihrer Gesamtheit, also alle, gefährlich sind wie wilde Tiere oder Sträflinge im Gefängnis, vor denen es sich mit Stacheldraht und Zäunen zu schützen gilt.

Es gilt sich, obwohl gegenteiliges von der Helferin zu hören ist, Sorgen zu machen. Diese Entwicklung hat man schon in Winden am Aign, wenn auch viel größer und breiter, gesehen. Erst gibt es stumpfe Parolen und die geistige Brandstiftung, dann folgen das Benzin und die brennende Unterkunft. Es gilt zu beobachten wie entsprechende Anwohner sich verhalten, auch dies Aufgabe des Staates, durch Aufklärung und Prävention, die Wiederholung von Winden am Aign zu verhindern.

Update:
Laut „Donaukurier“ hat der Anwohner den Zaun wieder entfernt.


10 Antworten auf „Stacheldraht in Hagenhill“


  1. 1 anonym 28. März 2016 um 20:22 Uhr

    http://www.vogtsecurity.de/downloads/privatanwender

    viell. sollte mal nach der genemigung fragen?
    nato draht ist immer eine streitfrage.

  2. 2 Lisa 29. März 2016 um 10:34 Uhr

    Danke für’s berichten! Wir waren schockiert, als wir den Draht gesehen haben. Glücklicherweise gibt es in der Marktgemeinde einen großen Helferkreis der zusammen gegen so etwas steht. Wir beobachten weiterhin die wenigen aber dafür lauten „kritischen“ Stimmen im Dorf und setzten einfach unseren Einsatz dagegen. Wir haben die Flüchtlinge willkommen geheißen, haben schon mit Deutschunterricht begonnen, die jungen Männer (Alter 16-28) spielen fleißig Fußball mit ein paar engagierten Jungs aus dem Dorf und für diese Woche ist ein kleines Willkommensfest angesetzt. Wollte ich nur gesagt haben, weil ich mich so schäme für solche Aussetzer und zeigen wollte, dass die Mehrheit des Dorfes einfach nicht so deppert ist ;)

    Danke

  3. 3 Da I 29. März 2016 um 19:06 Uhr

    Eine Schande! I schaam mi so für diese Leut‘! Man sollt denen wirklich gemeinsam vor eanan Stacheldrahtzaun sch….!!!!

  4. 4 Rini 29. März 2016 um 21:11 Uhr

    Ich denke es gibt einige im Dorf die nicht mit der Aktion der 2 Brüder einverstanden sind… *fremdschäm*
    Das Problem ist, es ist auf ihrem Privatgrundstück und von außen ist der Natodraht durch nen anderen Zaun gesichert…
    Glaube nicht dass die Gemeinde das nicht verbieten kann…

  5. 5 Giselinde Mrosek 30. März 2016 um 20:12 Uhr

    Ich war gestern auch dort, mit meinem Mann und wollte es sehen. Warten wir mal ab, bis die erste Rasenmähung fällig wird, und das Gras den Stacheldraht überwuchert und wie lange es dauert, bis sich die erste Katze daran verletzt, denn laut Tierschutzgesetz ist der Zaun nicht erlaubt.

    Da kann solch eine Aktion schnell nach hinten losgehen! Manche Menschen wollen eben nicht gefallen, sondern auffallen und wie bitte kann ich Flüchtlinge mögen, wenn ich mich so verhalte?!

    Ich hatte 2015 einen Flüchtling für 6 Monate mein Gästezimmer zur Verfügung gestellt und ich habe festgestellt, dass diese Menschen weder klauen, noch arbeitsscheu sind, denn er hat uns bei allem geholfen, im Gegenzug für seinen Schlafplatz.

    Freunde hat sich Herr F. damit nicht gemacht. Da fällt mir nicht mehr ein !!!

  6. 6 Hagenhiller 31. März 2016 um 11:03 Uhr

    Hallo Lisa

    Das sind leider keine Aussetzer sondern in Hagenhill gibt es einige Einwohner die in Deutschland vor 1945 wegen ihrer Gesinnung
    Karriere gemacht hätten und diese auch in der Öffentlichkeit äussern – es ist ja nicht der Vorfall dieser Art in Hagenhill – Es wurden ja schon Einwohner Hagenhill,s schriftlich Bedroht falls sie den Asylanten helfen sollten

  7. 7 Hagenhiller 31. März 2016 um 11:18 Uhr

    Hallo Lisa

    Kritische stimmen gibt es in Hagenhill einige – Diese Leute hatten bisher noch keinen Kontakt mit den Flüchtlingen aus Gebieten in denen ihr Leben in Gefahr war und sie werden auch keinen Kontakt mit ihnen suchen da diese nicht in ihre Weltanschauung passen – Die Flüchtlinge die ich bisher getroffen hab waren alle Freundlich wenn auch die Verständigung noch Schwierig war

  8. 8 Hagenhiller 31. März 2016 um 11:24 Uhr

    Die Mehrheit Hagenhill,s ist nicht so deppert Lisa aber oftmals genügt ja schon ein Depp um ein ganzes Dorf in Verruf zubringen

  9. 9 Hagenhiller 31. März 2016 um 11:54 Uhr

    Hallo Lisa
    Ich hatte auch schon Kontakt zu einem der Flüchtlige aber leider war die Verständigung noch etwas Schwierig was sich aber nach einem Deutschkurs ändern wird
    Leider gab es ja hier in unserem Dorf vor einigen Monaten schon einen Vorfall der bei der Polizei angezeigt wurde ( Der oder die Täter wurden bisher nicht ermittelt ) so das ich da nicht an einen Aussetzer glaube sondern an eine Einstellung oder Weltanschauung einiger Dorfbewohner in die Flüchtlinge nicht passen

  10. 10 Christian Werler 31. März 2016 um 13:12 Uhr

    An die Redaktion mit der Bitte um Berichtigung !

    Zweiter Absatz -> „In Winden war das leider überwiegend der Fall“

    Bitte auch hier Winden am Aign klarstellen, da es auch in der Marktgemeinde Altmannstein einen Ortsteil Winden gibt.
    Dies führt aus meiner Sicht zu Irritationen !

    Danke

    Ein Einwohner von Winden, Markt Altmannstein

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