Archiv für Juli 2016

AfD am Auwaldsee – schon wieder.

Am Freitag, den 22.07.2015, versammelten sich trotz drückender Hitze ca. 50-60 Personen (laut Ingolstadt-today 50) am Auwaldsee, um gegen den Auftritt von Alexander Gauland und Alice Weidel im Wirtshaus am Auwaldsee zu demonstrieren.

Die Polizei war mit einem völlig übertriebenen Aufgebot vor Ort, so waren neben einem ganzen Transporter „Hamburger Gitter“ auch USK-Einheiten und eine Vielzahl anderer Beamte aufgefahren worden. Mehrere Quellen sind sich darüber einig, dass doppelt so viele Beamte wie Protestteilnehmer*innen vor Ort waren.

Hin und wieder waren Menschen zu beobachten, die eigentlich nur das Wirtshaus besuchen wollten und dann an der Tür von Sicherheitskräften zurückgewiesen wurden oder umdrehten als ihnen mitgeteilt wurde, was drin geboten war. Es ist fraglich, wie lange sich das Wirtshaus am Auwaldsee die Bewirtung der AfD noch leisten kann. Obwohl der von der AfD bestellte Security-Service eine strenge Türpolitik verfolgte, nahmen teilweise auch Antifaschist*innen beobachtend an der Veranstaltung teil.

Die Kundgebung, die vom Bündnis „Ingolstadt ist bunt!“ angemeldet und mobilisiert worden war, und sich gegen den Auftritt der zwei AfD – Bundesvorstandsmitglieder richtete, war trotz kurzer Mobilisierungszeit von ca. 3 Tagen, beginnender Urlaubszeit und den zeitgleich stattfindenden kostenlosen Open-Air Festivals im Klenzepark und in Pförring zufriedenstellend gut besucht. Natürlich muss weiter an einer stabilen antifaschistischen Vernetzung in der Region und darüber hinaus gearbeitet werden, um geeigneter auf derartige Veranstaltungen reagieren zu können. Es gab mehrere Redebeiträge, die teils von Privatpersonen aber auch von Aktivistinnen der Linksjugend-Solid gehalten wurden. Nach ca. 2 Stunden Protest wurde die Kundgebung aufgelöst und die Teilnehmer*innen machten sich auf den Heimweg.

Die Antifaschistische Aktion Organisieren – den Widerstand aufbauen!

Sterben für Erdogan?

Am Dienstag, den 19.07.2016, versammelten sich schon gegen 16:20 Uhr die ersten Menschen am Volksfestplatz in Ingolstadt, da ab 17:00 Uhr eine Demonstration starten sollte. Zu dieser Demo wurde aufgerufen, um sich laut Ankündigung gegen den Putschversuch vom 15.07.2016 in der Türkei und zum Schutz der türkischen „Demokratie“ zu positionieren.

In der Ankündigung wurde explizit geschrieben, dass es KEINE Demonstration für Erdogan sei. Ebenso sollten keine anderen Fahnen als die türkische Nationalflagge mitgebracht werden. Als sich um ca. 17:15 Uhr die Demo in Bewegung setzte, hatten sich rund 600-800 Menschen (laut Intv und Donaukurier nach Polizeiangaben 1600) versammelt.

An der Demospitze war ein Plakat mit der Aufschrift: „Canimizi veririz, Erdogani asla“ (Wir würden unser Leben opfern, aber Erdogan niemals) zu sehen, dass von Kindern gehalten wurde. Es waren sehr viele Türken aus Ingolstadt auf der Straße sowie mehrere Familien aus Eichstätt und Pfaffenhofen. Die viele Jugendliche und Kinder standen im Mittelpunkt.

Ungefähr 30 % der Demonstranten waren Kemalisten und Leute, die eigentlich nur gegen den Militär-Putsch auf der Straße waren und zum Teil noch auch die Gezi-Solidaritätsdemonstrationen in Ingolstadt vor einiger Zeit unterstützt hatten. Vor dem Verein „Atlantik“ wurden die Stimmen lauter, es wurden Hass-Parolen gerufen wie „Fethullah Güllen sollte sterben“! Der Sekte Anführer Kleriker Gülen, der in den USA im Exil lebt, wird von Seiten der türkischen Medien die Schuld am Putschversuch gegeben.

Die Demo endete am Rathausplatz mit einer Kundgebung. Während der gesamten Demonstration wurde öfter der sogenannte „Wolfsgruß“ gezeigt, das Zeichen der „Grauen Wölfe“, dabei handelt es sich um türkische Faschisten. Auch deren Fahne mit Halbmond und Wolf ist im Bericht von Intv gut zu sehen.

Folgende Parolen wurden während der Demonstration gerufen:
dik dur egilme, bu millet seninle (Beug dich nicht, dein Volk ist mit dir)
tek bir allahu akbar (Gott ist der Größte) Sehitler ölmez, vatan bölünmez (Soldaten sterben nicht, das Land wird nicht geteilt)
Recep tayyip erdogan yasasin (Hoch lebe RTE).

Im Rahmen der Zusammenfassung dieser Aktion, geben wir türkischen Linken Raum für ihre Sicht der Dinge:
„Wir haben schon mehr als 400 Leute erwartet. Uns war es auch bekannt, dass die Moscheen der Umgebung mobilisiert haben.
Es war weder eine Demo für die Demokratie in der Türkei (Welche denn auch?), noch eine Demo gegen den Militär-Putsch.
Es war eine Demo für Erdogan von seinen Anhängern. Angst macht mir, wenn ich sehe, was ein Zusammenhalt diese Leute hier haben.
Als manche Bekannten uns gesehen haben, haben sie mit Bozkurt-zeichen (Wolfsgruß) zu uns gezeigt und dabei die Parole gerufen „Hoch lebe Erdogan“.
Sehr ernst zu nehmen sind dabei höchstens 10 % der Jugendlichen.
Der Rest war meiner Meinung nach nur dabei wegen des gesellschaftlichen Drucks, den wir hier haben.
(Zum Beispiel: „Wieso warst du nicht auf der Demo? Bist du ein Terrorist?“)

Kurz ein Überblick, was eigentlich am 15.07 genau passiert ist:
Am 15.07.2016 um 21:00 Uhr haben wir von unseren Bekannten aus der Türkei erfahren, dass das Militär einen Putsch angefangen hat.
Es wurden von den Soldaten zunächst die Brücken (Über den Bospurus) gesperrt. Kurze Zeit später wurde in Ankara (Gölbasi) eine Polizeischule bombardiert.
Nach einer Stunde wurde das Hauptgebäude von TRT von Soldaten überfallen. Von dort aus wurde der Putsch-Bericht vorgelesen.
Wie die meisten, waren auch wir unter Schock, bis Erdogan um 23:15 Uhr in CNN Turkey über Skype die Leute auf die Straße gerufen hat.
Die Türkei hatte bereits mehrere Putschaktionen des Militärs hinter sich. Es kann nicht sein, dass die Leute gegen die Soldaten auf die Straße gehen und einen Putsch verhindern wollen und damit auch Erfolg haben. Was für ein Wunder, nach genau 10 Minuten nach dem Aufruf Erdogans, gehen seine Anhänger in Gruppen aus den Moscheen und rufen Parolen wie „Erdogan ist nicht alleine“.
Von fast allen Moscheen werden Aufrufe in SELA Form gegeben. (SELA- wird eigentlich als Gebet für Tote von Moscheen gerufen.
Jedoch interpretieren die Anhänger diese dafür, dass das Volk zum Dschihad gehen soll, d.h Kampf für Allah). Mehr als Tausende Menschen gingen auf die Straße.
Erst um 01:00 Uhr wurden alle andern Medien von Soldaten besetzt, jedoch nur für 10 Minuten, da sich die Soldaten dem Volk ergeben haben.
(Lächerlich.) Um 02:00 Uhr hält Tayyip eine Rede, indem er sagt, dass der Wille des Volks sehr wichtig sei. Diese sollen ja nicht nachhause gehen, da die Feinde wieder kommen können. In dieser Nacht sterben mehr als hunderte Menschen. Mehrere Soldaten werden von seinen Anhänger geschlagen, erschossen, ausgezogen und wie Dreck behandelt. (Hierbei muss ich ausdrücklich sagen, dass die oberen Generäle usw. uns persönlich nicht interessieren, jedoch sind sehr viele junge Soldaten, die nichts davon wussten, was sie eigentlich machen müssen, ums Leben gekommen.) Wie erwartet schlägt Tayyip hart zurück und beschuldigt die Güllen-Sekte . Mehrere (ca. 1444) Soldaten und Generäle wurden festgenommen. 4920 Beamten werden aus dem Amt genommen. Ca. 2850 Richter und Staatsanwälte wurden festgenommen bzw. entlassen. 1550 Dekane aus verschiedenen Universitäten werden zu Anhörung gerufen. 2000 Lehrer (GRUNDSCHULLEHRER) wurden gefeuert. (Warum?? Weil mehrere Lehrer gegen den Islam- Unterricht waren).