Nachbericht zur Queerfeministischen Demo am 10.05.2019

lautimuc
Am 10. Mai waren wir auf der queerfeministischen Vorabenddemo gegen den diesjährigen 1000-Kreuze-Marsch in München zugegen. Es ging um den Protest gegen radikale Abtreibungsgegner*Innen, die am Folgetag einen Marsch durch die Münchener Innenstadt mit dem Aufruf „Tausend Kreuze für das Leben“ geplant hatten. Damit wollten sie gegen Schwangerschaftsabbrüche und somit gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frauen protestieren.

Die Vorabenddemo war eine Mobilisierungsaktion, um Leute auf diese antifeministische Einstellung aufmerksam zu machen und sie für den nächsten Tag zu Protesten einzuladen. Mit viel Glitzer, Flitter und Musik machte der Protest mit rund 250 Demonstranten vom Karl-Stützel-Platz quer durch die Stadt auf sich aufmerksam. Es wurden verschiedene Redebeiträge gehalten, die während der Demonstration Passant*Innen über diese geforderte Einschränkung der Frauenrechte informierte.

Die Initiative Pro Choice ist nämlich nicht per se für Abtreibung – doch eine Welt ohne Schwangerschaftsabbrüche gab es nie und wird es nie geben. Wir kämpfen dafür, dass ungewollt Schwangere eine Entscheidung treffen können, ohne von der immer noch gesellschaftlich relevanten Kirche unter Druck gesetzt, stigmatisiert oder gar kriminalisiert werden. Egal ob in der Landeshaupstadt oder im bayerischen Hinterland dürfen diese selbst ernannten Lebensschützer*Innen nicht ohne Opposition bleiben.

Wir sind für ein Umdenken in der Gesellschaft, wo Menschen mit und ohne Behinderung auf die Welt kommen können, ohne durch normative Selektion durch pränatale Diagnostik gelenkt zu werden. Wir kämpfen für eine Welt, in der Sexualität, Geschlechtsidentität und Ausdrucke dessen nicht von Bedeutung für den Lebensstandard sind. Die Konversionstherapie* ist schlicht und ergreifend Folter und lebensunwürdig. Dabei muss es auch, egal bei welchem Geschlecht oder bei welcher Sexualität Normalität werden, dass allen im Falle einer Schwangerschaft unabhängige Beratungsstellen zur Seite stehen. Wir fordern die sofortige Streichung von § 218 und §219a aus dem StGB. Im deutschen Gesetz ist noch immer verankert, dass es bei Abtreibung um eine Straftat handelt – hierin ist geregelt, dass Schwangerschaftsabbrüche nur in Ausnahmefällen legal ist. Wir aber fordern, dass jede schwangere Person selbst entscheiden kann, ob sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen möchte, ohne dabei eine Straftat zu begehen. Die Voreingenommenheit gegenüber Schwangeren und Ärtz*Innen muss endlich aufhören – es muss mehr Verständnis gegenüber dieser Entscheidung geben. Jede Entscheidung für eine Abtreibung hat einen individuellen und nicht pauschalisierbaren Grund. Es muss des weiteren mehr Kliniken und Praxen geben, in denen ein Abbruch von geschultem Personal vorgenommen werden kann. Die volle Kostenübernahme für Schwangerschaftsabbrüche und Verhütungsmittel muss von der Krankenkasse gewährleistet werden.

Deswegen werden wir uns weiterhin für die unterdrückten Teile der Gesellschaft einsetzten – egal ob Frauen, Personen mit Behinderung, Kinder oder Angehörige der LGBTQ+Szene. Die Organisator*Innen von Pro Choice würden sich sehr über eine Spende freuen, um durchgeführte und weitere Aktionen finanzieren zu können.

www.leetchi.com/c/pro-choice-muenchen-aktion-gegen-den-1000-Kreuze-Marsch-im-Mai

Your Body, your choice
Raise your voice!

* Konversionstherapie oder auch „Reparativtherapie“ wird eine Gruppe von umstrittenen Methoden der Psychotherapie genannt, welche die Abnahme homosexueller Neigungen und die Entwicklung heterosexueller Potentiale als Ziel postulieren.


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